Hilfe - mein Hund hat Geräuschangst

nach silvester ist vor dem nationalfeiertag

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Die Silvesternacht war für Dich und Deinen Hund Horror? Dein Hund hat sich zitternd, hechelnd und sabbernd unter einem Bett, in einem Schrank oder im Badezimmer versteckt?  Hat er mit aufgerissenen Augen bewegungslos und starr in seinem Körbchen gelegen? Ist er ruhelos und hechelnd in der Wohnung auf und ab und hin und her gelaufen und hat Dich und Deine Gäste damit sowas von genervt!?

 

Gassi gehen war unmöglich? Hat er vielleicht sogar ins Haus gemacht? Oder ist er auf dem Spaziergang sogar weggelaufen und Du musstest Dir tagelang Sorgen um ihn machen?

 

Erfahre hier, wie der kommende Nationalfeiertag nicht mehr in einem solchen Desaster endet, und warum es sehr wichtig wäre, schon 2 besser sogar 3 Monate davor mit den Vorbereitungen zu beginnen.....

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Die gute Nachricht

Es gibt eine ganze Reihe von Massnahmen und Trainingsansätzen, die Horror-Tage wie Silvester und Nationalfeiertage wesentlich entspannter werden lassen. Obwohl Ängste nicht einfach auf Knopfdruck weg therapiert werden können und obwohl damit gerechnet werden muss, dass in Stresssituationen alte Verhaltensmuster wieder auftauchen - Du und Dein Hund können lernen, bei auftauchenden Ängsten nicht einfach kopflos zu handeln und panisch zu reagieren. Ihr könnt Euch Plan B erarbeiten, der vieles erträglicher macht und es dem Hund ermöglicht, selber zu entspannen und sich zu beruhigen. Wenn.....Du als seine Vertrauensperson frühzeitig die dafür nötigen Voraussetzungen schaffst!

Entspannen will gelernt sein

Stell Dir vor, Du selbst befindest Dich in einer äusserst stressigen Situation und Dein Arbeitskollege, Dein Ehepartner oder einfach irgendjemand sagt zu Dir: "nun reiss Dich doch einfach mal zusammen und entspanne Dich!"  Was löst das in Dir aus? Bist Du dankbar für den hilfreichen Tip just in diesem stressigen Moment, oder nervt es Dich nur noch mehr?

Entspannen will gelernt sein - und - es lernt sich am besten in entspannter Atmosphäre. Je öfter, um so leichter lässt es sich dann in schwierigen Situationen abrufen. Das ist auch beim Hund so.

Darum am besten jetzt schon damit beginnen und Entspannung mit einem Signal oder für Feuerwerks-Tage noch besser mit einem Duft und/oder einem Gegenstand als optisches Dauersignal, sowie mit beruhigender Musik verknüpfen.

Hilfsmittel

Auf dem Markt gibt es heute eine Vielzahl von Hilfsmitteln, die dem Hund das Entspannen in angstauslösenden Situationen erleichtern. Wenn Du selbst diesen Ideen gegenüber offen bist, so können sie eine echte Hilfe darstellen. So zb. das Thundershirt, das durch sein enges Anliegen auf der Körperoberfläche den Hund sich selbst besser spüren lässt. Er fühlt sich damit weniger verloren und es erleichtert ihm das Entspannen. Auf die selbe Weise wirken Tellington Körperbänder. Und bereits gibt es auf dem Markt einen Gehörschutz für Hunde, den sogenannten Muff Muff, der die lauten Geräusche stark abdämpft. Eine Transportbox, abgedeckt mit weichen Decken kann den selben Effekt haben. Aber Vorsicht: gerade am 1. Aug. entsteht dabei die Gefahr eines Hitzestaus! Darum die Box generell nie zumachen, so dass der Hund wieder heraus kann, wenn ihm heiss wird.

Tellington Körperbänder machen bei diesem Hund entspannen möglich.

Eines ist allen diesen Hilfsmitteln gemeinsam. Sie müssen im Vorfeld Schritt für Schritt auftrainiert werden. Ein hochgradig gestresster Hund wird sich, wenn es schon knallt, weder ein Thundershirt noch einen Gehörschutz anziehen lassen, wenn er damit nicht vertraut ist. Und auch die Box wird er freiwillig nicht aufsuchen, wenn er nicht schon lange zuvor die Erfahrung machen konnte, dass dies ein Ort der Ruhe und Entspannung ist.

Gegenkonditionierung

Plagen Dich selbst auch Ängste? zB. vor Spinnen oder Wespen?

Würden jedesmal, wenn Du einer Spinne begegnest oder jedes Mal, wenn eine Wespe um Deinen Kopf herumschwirrt  Banknoten vom Himmel fallen....

Ich wette, dann würde es Dir leichter fallen, Deine Angst zu ertragen und zu überwinden. Und wenn Du dann auf diese Weise schon einen beträchtlichen Betrag zusammen hättest, dann würdest Du eines Tages sogar sagen: "schade, ich habe schon lange keine Spinne/Wespe mehr gesehen!"

 

Dies ist das Prinzip der Gegenkonditionierung. Sie verändert die Emotionen in einer bestimmten Situation.

Wenn die Geräuschangst Deines Hundes noch nicht allzu sehr ausgeprägt ist, besteht gute Hoffnung, dass man unter Anleitung eines guten Trainers mit Hilfe von ganz besonders begehrten Leckereien an Geräuschen eine Gegenkonditionierung durchführen kann. Auch damit sollte möglichst früh vor dem bevorstehenden Ereignis begonnen werden, damit es am Tag X als eine wirkungsvolle Strategie angewandt werden kann.

noch ist die Rute oben. Je entspannter der Hund, um so tiefer sinkt sie
entspannen am Schnüffelteppich noch ist die Rute oben. Je entspannter der Hund, um so tiefer wird sie sinken.

Selbst Lösungen erarbeiten stärkt das Selbstbewusstsein. Wer selbstbewusst ist, wird weniger von Ängsten geplagt. Sind solch einfache Dinge wie die Klorollenbox gut etabliert, werden sie in angsauslösenden Situationen gerne angenommen um von der Angst weg fokussieren zu können.

Nahrungsergänzungen und Medikation

Auf dem Markt sind auch eine ganze Reihe von Nahrungsergänzungen und Medikamenten, welche Ängste dämpfen sollen. Hier gilt es herauszufinden, was man selber befürworten kann und was dem eigenen Hund gut tut. Gerade bei den Nahrungsergänzungen mache ich die Erfahrung, dass das, was dem einen Hund gut tut, bei einem anderen eine Unverträglichkeit auslöst und damit noch grösseres Unbehagen. Es macht also Sinn, sich lange im Vorfeld mit solchen Sachen auseinanderzusetzen und es auszutesten.

Über Medikamente lass Dich bitte von dem Tierarzt Deines Vertrauens aufklären. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass einige dieser Medikamente mit gutem Gewissen verabreicht werden können, andere dagegen dämpfen einfach seine körperlichen Reaktionen - aber Angst hat er deswegen nicht weniger. Sprich Deinen Tierarzt unbedingt darauf an und frage hartnäckig nach, bevor Du das Medikament verabreichst!

Lass Dir bitte nie Medikamente mit dem Wirkstoff Acepromazin geben. Dieser Wirkstoff verhindert grob erklärt einfach die Bewegungsfähigkeit. Während die Emotion Angst aber bestehen bleibt. Die Folge, der Hund wird in der Zukunft noch ängstlicher werden. Lies dazu auch diesen Artikel in der Zeitschrift  Hundemagazin.ch

Auch dieses Gespräch mit dem Tierarzt sollte so früh wie möglich stattfinden, damit das Medikament getestet werden kann, bevor der Ernstfall eintritt. Medikation sehe ich als Unterstützung, nicht als alleinige Therapie. Denn Du möchtest ja, dass Dein Hund lernt mit solchen Situationen umzugehen.

Ernährung

Die Ernährung spielt eine nicht unwesentliche Rolle bei Verhaltensproblemen. So kann auch eine gute Ernährung bei Angstproblemen unterstützend wirken. Geflügelfleisch enthält viel Tryptophan, welches Wohlbefinden steigert. Frische Leber und Innereien entahlten viel Vitamin B, was gut für die Nerven ist. Ernährungsumstellungen wirken allerdings nicht kurzfristig.

Sonderfall Schmerzen

Schmerzen sollten beim Hund generell thereapiert werden. Aber gerade im Zusammenhang mit Ängsten können vorhandene Schmerzen fatale Folgen haben. Keine Erfahrung wird so unauslöschlich im Gedächtnis abgespeichert, wie eine, die mit Schmerzen in Zusammenhang steht! Will heissen: Schmerz verstärkt die Ängste und Schmerz wird mitgelernt! Tritt also ein gleiches Ereignis später wieder auf, wird mit grosser Wahrscheinlichkeit auch wieder Schmerz empfunden, obwohl es aus rein physischer Sicht dafür keinen Grund mehr gibt! Vor allem bei älteren Hunden sollte immer auch an den Faktor Schmerz gedacht werden. Wenn Du nicht absolut sicher bist, dass Dein Hund schmerzfrei ist, kläre bitte frühzeitig mit Deinem Tierarzt, evtl. sogar mit einem Physiotherapeuten oder Tierheilpraktiker ab, ob Schmerzen vorhanden sind und wie sie behandelt werden können.

Was Du kurzfristig noch tun kannst

Leider hält sich das uraltes Ammenmärchen man dürfe dem Hund keine Beachtung schenken, wenn er Angst hat, noch immer hartnäckig.

Doch ich kann Dich beruhigen. Das ist ein alter Zopf der längst wissenschaftlich widerlegt ist. Wer grosse Angst hat, ist in grossem Ausmass gestresst. Wer viele Stresshormone im Blut hat ist nicht lernfähig. Daher brauchst Du keine Bedenken haben, dass Du die Angst Deines Hundes durch Zuwendung noch verstärkst.

Du brauchst ihn nicht "vollquatschen". Doch wenn er Deine Nähe sucht, gestatte ihm, sich an Dich zu drücken. 

sichern, sichern und nochmals sichern

Wer Angst hat, neigt dazu kopflos zu reagieren. Daher, geh nur ganz kurz zum Gassi raus und sichere dabei Deinen Hund unbedingt genügend, evtl. sogar doppelt an Halsband und Brustgeschirr. Fliehen ist eine völlig normale Angstreaktion. Erschrickt sich Dein Hund draussen wegen Feuerwerk und/oder Böller musst Du immer damit rechnen, dass er sich aus dem Halsband windet und kopflos wegrennt.

Etabliere möglichst schon im Vorfeld einen Platz ganz nah bei Eurem Zuhause, wo er sich schnell und zuverlässig löst. Und gehe unmittelbar nach dem Versäubern mit Deinem Hund wieder ins Haus.

Denke auch daran, dass der Schwefelgeruch des Feuerwerks für die Hunde noch Tagelang wahrnehmbar ist. Da dieser mit Sicherheit als Angstauslöser mit verknüpft wird, ist Sichern noch einige Tage nach dem Knalltag nötig.

Ich wünsche Euch einen möglichst entspannten Nationalfeiertag.